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Wie Herr Krause Kinder glücklich macht

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21. Januar 2020

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Ein Lichtenberger sammelt Schreib- und Spielutensilien für Mädchen und Jungen. Von Steffi Bey

Manchmal ist der Korridor von Familie Krause im Rosenfelder Ring ziemlich vollgepackt: Da türmen sich jede Menge Kisten und Kartons und ab und zu stehen dort sogar Paletten. Immer wenn es bei den rüstigen Senioren so aussieht, gibt es in den folgenden Tagen und Wochen besonders viel zu tun für das Paar. „Wir packen alles aus, dokumentieren die vielen Dinge, um sie schließlich neu einzupacken und damit Kindern eine Freude zu bereiten“, erklärt Manfred Krause das Prozedere. Seit 15 Jahren machen das die beiden nun schon. Manfred ist die treibende Kraft: Derjenige, der das Projekt ins Rollen brachte, über diese lange Zeit am Laufen hielt und mittlerweile 40 Sponsoren aus allen Teilen Deutschlands an seiner Seite hat. „Dazu gehören unter anderem Apotheken, Baumärkte, aber auch Kosmetik- und Reiseunternehmen“, berichtet der 76-Jährige. Angefangen hat alles mit 450 Basecaps. 2004 stapelten die sich in seinem Kofferraum, als ein Möbelhaus im Berliner Speckgürtel aufgelöst wurde und ihm einen Gefallen tat. Mit dieser riesigen Menge hatte Krause allerdings nicht gerechnet. Doch der hilfsbereite Rentner fand eine Lösung. Er meldete sich beim christlichen Kinder- und Jugendwerk „Arche“ in Hellersdorf und brachte schließlich 150 dieser bunten Kopfbedeckungen dorthin. Mit dem Rest machte er unter anderem der Kita „Brücke“ des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs Berlin
e.V. an der Gensinger Straße, eine Freude. Auch eine Köpenicker Kindertagesstätte und eine Einrichtung im brandenburgischen Eichwalde belieferte Manfred Krause. Diese Kontakte kamen zustande, weil seine beiden erwachsenen Töchter dort als Erzieherinnen arbeiten. Aber ebenso eine Asylbewerber-Unterkunft in Hellersdorf profitierte von seinen zusammengetragenen Mitbringseln. Wenn der sympathische Senior das erzählt, leuchten seine Augen. Und er ist mit recht stolz auf das „funktionierende System“, was er sich aufbaute. Krause polierte im wahrsten Sinne des Wortes Türklinken: Viele Unternehmen besuchte er persönlich, führte unzählige Telefonate, schrieb Briefe und E-Mails. Ihm geht es darum, Mädchen und Jungen, die aus benachteiligten sozialen Verhältnissen kommen, etwas Gutes zu tun. „Ich möchte sie mit ein paar nützlichen Kleinigkeiten unterstützen“, sagt der Lichtenberger. Das können beispielsweise Buddeleimer, Schwimmreifen, aber auch Malhefte und Stifte sein. Besonders am Herzen liegen dem Senior die Schulanfänger. Vorschulkindern der Kita „Brücke“ übergibt er deshalb traditionell jedes Jahr zum Abschlussfest einen prall gefüllten Rucksack mit gespendeten Utensilien. Da sind Schreibsachen, kleine Spiele, Brotbüchsen, Trinkflaschen und Taschenlampen drin – manchmal auch Bälle, Naschereien und Bücher. Insgesamt kommen oft mehr als 80 prall gefüllte Rucksäcke zusammen, die er
in mehreren Einrichtungen verteilt. Für das Einpacken ist seine Frau Anita zuständig. Krause schießt dann jedes Mal ein Foto von den zusammengeschnürten Beuteln. Ein bisschen unruhig wird er allerdings, wenn der Tag der feierlichen Übergabe naht. Es sei aufregend und zugleich wunderschön, in die glücklichen Kinderaugen zu blicken. Das Paar unterstützt mit den gespendeten Utensilien ebenso Kita-Feste, Halloween-Partys und Weihnachtsfeiern. Mit Hilfe namhafter Sponsoren besorgte es beispielsweise hunderte Warnwesten, die zur Verkehrssicherheit von Kita- und Hortkindern beitragen. „Eigentlich bin ich immer auf der Suche nach kleinen Präsenten für die Kinder“, erzählt Manfred Krause. Seine Frau findet das manchmal zunächst belastend: Wenn er sogar im Urlaub Apotheken abklappert, dann den ganz bestimmten, suchenden Blick aufsetzt und es tatsächlich schafft, die Chefs von seinem Projekt zu überzeugen. Für die Zukunft wünscht sich der ehrenamtlich Aktive, dass sich jemand meldet, der mitmacht und vielleicht in einigen Jahren das Projekt weiterführt. „Ich lerne den Interessierten oder die Interessierte natürlich an“, sagt Krause. Bei aller Freude und Dankbarkeit, die ihm wiederfährt, geht ihm eine Geschichte nicht aus dem Kopf. 2017 und 2018 wurde er für die Bürgermedaille Lichtenberg vorgeschlagen und jedes Mal abgelehnt. „Eine
Begründung habe ich bis heute nicht erhalten“, sagt er bedrückt und fühlt sich ungerecht behandelt. Schließlich lebe er Jahrzehnte im Bezirk, engagiere sich zudem seit mehr als 50 Jahren ehrenamtlich und „hätte so ein offizielles Dankeschön aus seinem Heimatbezirk einfach erwartet“. Der Bundespräsident hatte ihn allerdings 2016, als Auszeichnung für seine ehrenamtliche Tätigkeit, zum Bürgerfest ins Schloss Bellevue eingeladen.

Quelle: file:///C:/Users/rbo/Documents/Bezirks-Journal-Lichtenberg-01-2020.pdf

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